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WELTPREMIERE einer Sammlung PDF Drucken E-Mail

 

WELTPREMIERE

einer Sammlung

Zürich, Kunsthaus -

Eine seit fünfzig Jahren von der aus Syrien stammenden Kunsthändler-Familie Nahmad zusammengetragene Privatsammlung mit Werken der klassischen Moderne im Zeitraum zwischen 1870 und 1970 erblickt zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit: eine Weltpremiere gleichsam.

Christoph Becker, dem Direktor des Kunsthauses Zürich, ist es gelungen, die weltweit agierenden Galeristen für eine Ausstellung in seinem Haus zu interessieren, und so kam nun eine Schau zustande, die höchsten Qualitätsansprüchen zu genügen vermag. Meisterwerk reiht sich an Meis-terwerk mit klingenden Namen wie etwa Picasso, Matisse, Modigliani, Léger, Kandinsky, Max Ernst oder Miro, um nur einige zu nennen.                    

Aus Hunderten von Gemälden aus ihrem Besitz wählten die Nahmads zirka 100 Kunstwerke für die Ausstellung aus, wobei eine stattliche Anzahl von ihnen seit langem nicht mehr oder überhaupt noch nie öffentlich präsentiert wurden.

Diese Bilder jetzt endlich sehen zu können, mag für das Publikum ein lohnendes Ziel sein. Wenn die Händler-Sammler auch im kunsthistorischen Sinn nicht systematisch ihre Sammlung aufbauten, so weist sie doch mit sicherem Geschmack und

Ob. li.: Amadeo Modigliani, Paul Guillaume, 1916, Öl/ Kar-ton auf Holz aufgezogen, 53 x 37 cm; ob. re.: Henri Matisse, Portrait au manteau bleu, 1935, Öl/ Lwd., 46 x 55,2 cm; Mi.: René Magritte, La saucisse casquée, 1929, Öl/Lwd., 55 x 46 cm, un.: Fernand Léger, Nature morte, 1927, Öl/ Lwd., 130,2 x 88,9 cm;Letzten drei Abbildungen: © 2011 ProLitteris, Zürich

 

reichem Wissen zusammengestellte Schwerpunkte auf, die immer wieder spannungsvolle Querverbindungen ergeben.  Dabei fällt unter anderem auf, dass figurative Darstellungen überwiegen, was aber eine zufällige Folge der Auswahl sein mag.

 Zweifellos zählt Picasso zu den Hauptmeis-tern der Sammlung. Er malte 1923/24 seinen Sohn Paolo als „Kleinen Pierrot mit Blumen“, ein Bild   voll zärtlicher Anmut. Ganz anders dagegen erscheint die dynamische Wucht bei der „Frau mit Hut“, die Picasso 1971 im Alter von neunzig Jahren malte.

Matisse besticht durch seine exquisite Farbkultur, seine kühnen Farbkontraste wie   bei dem „Porträt mit blauem Mantel“ von 1935 oder der „Frau mit blauem Hut“ (1944), ein Bild mit stark dekorativer Wirkung. Von Modigliani präsentiert sich eine stolze Reihe von sieben Porträts;die dargestellten Personen spiegeln  in ihren Gesichtern ei-nen Ausdruck von Trauer und Einsamkeit. Die moderne Welt der  Technik hat kaum ein Künstler so souverän in seinen Werken ausgedrückt wie Fernand  Léger („Komposition mit Treppe“, 1925). Den Surrealismus in seinen verschiedenen Versionen vertreten Künstler wie de Chirico  und Max Ernst ebenso wie Yves Tanguy und, vielleicht ein wenig zu hervorgehoben, Miro.   Für die Abstraktion stehen Kandinsky, Malewitsch und Mondrian. Diese wenigen Namen mögen genügen, um die Spann-weite der Sammlung anzudeuten.

Zu sehen ist die Ausstellung „Miró, Monet, Matisse – The Nahmad Collection“ im Kunsthaus Zürich bis 15. Januar; 2012. Erstmals erscheint ein Katalog zu dieser eindrucksvollen Sammlung.                                                                                            Dr. Berthold Hänel