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ROBERT BREER PDF Drucken E-Mail

 ROBERT BREER

Maler, Bildhauer, Filmemacher

 


 

Oben: Installationsansicht „Robert Breer“, Museum Tinguely, Basel, 2011, © 2011,    Museum Tinguely, Basel; Foto: Bettina Matthiesen;links: (Almost) Everything Goes, ohne Datum, ©Robert Breer, courtesy gb agency, Paris.

 

Basel, Museum Tinguely -

Mit Robert Breer stellt das Museum Tinguely einen in Europa relativ wenig bekannten Künstler vor. Dabei ist das Werk des 1926 in Detroit geborenen amerikanischen Künstlers noch heute von brennender Aktualität, weil er die Hektik des Lebens von heute einfängt und ihr gleichzeitig eine Langsamkeit von Bewegung entgegenstellt. Breer, der im vergangenen Jahr während der Vor-bereitung zur Basler Ausstellung plötzlich verstarb, beschäftigte sich nicht nur mit Malerei und Skulptur, er zählte auch nicht zuletzt seit den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu den bedeutend-sten Experimentalfilmern seiner Gene-ration. Sohn eines Ingenieurs, studierte Robert Breer zunächst auch Ingenieur-wissenschaften, wendete sich aber bald der Malerei zu, wobei ihn vor allem die geometrische Abstraktion interessierte. So zog er 1949 nach Paris. Zunächst von Mondrians Klarheit beeindruckt, suchte er für seine künstlerische Aussage eine andere Lösung; Breer fügte auf seinen Gemälden abstrakte Formen, verbunden mit frei schwebenden Linien, so zusammen,

 

Composition with Three Lines“ (1959) oder „Three Stage Elevator“ (1955) als typische Beispiele. Mit   der Anwendung des Mediums Film lässt Breer    dann furiose Bewegung entstehen. 24 Einzel-    bilder pro Sekunde wirbeln über den Bildschirm,   ein wildes Gemisch bildend, übereinander Ver- schoben sich mischend zwischen realen und abstrakten Formschnipseln. Das alles vollzieht    sich so schnell, dass das Auge nicht mehr zu fol-gen, Einzelheiten nicht mehr zu unterscheiden vermag.

Oben: Untitled, 1949-1950, Öl auf Leinwand, Foto: Colin Davison, BALTIC Centre for Contemporary Art, Mitte:Robert Breer in der Ausstellung in der Bonino Gallery, NY, 1970, Foto: Peter Moore, unten: Beam, 1966, Float, 1970, Rug Nr 5, exposition Hors Jeu, Foto: Marc Domage; alle Abbildungen: © Robert Breer, courtesy gb agency, Paris

 

 

 

dass sie Ruhelosigkeit oder Bewegung simulierten, und Bewegung sollte ein Schlüsselwort für sein künstlerisches Schaffen werden:Reales und Irreales, Farben, Formen, Linien, alles taumelt durcheinander. Breer hat mit seinen Kurzfilmen auffallend Bahnbrechendes geleistet; er hat der Hektik des heutigen Lebens überzeugend Ausdruck verliehen. Und dann das Gegenteil! Breer fertigte Skulpturen an in abstrakten Formen, soge-nannte „Floats“, die sich bewegen, doch so lang-sam, dass man mehrfach hinsehen muss, um die Bewegungüberhaupt wahrzunehmen. Stoßen die merkwürdigen Gebilde an einHindernis, ändern sie ihre Richtung. So verändern diese Werke, die Titel tragen wie „Zig“ (1965), „Column“ (1967) oder „Sponge“ (2000) ihr Verhältnis zum sie umgebenden Raum immer neu. Selbst eine ganze Wandecke („Wall“) 2009) bewegt sich leise und Langsam. Der Künstler setzt der Aufgeregtheit in seinen Filmen hierspürbare Ruhe entgegen.

Robert Breer, einen mit Jean Tinguely befreundeten Künstler kennen zu lernen, darf als Gewinn angesehen werden.

Zur Sonderausstellung „Robert Breer“ (bis 29. Januar 2012) erscheint ein umfangreicher Katalog.        

Dr. Berthold Hänel